Pallas Park 2009 -2011 Bericht




Interkultureller «Garten der Künste» im PallasPark –

Pallsstraße 7, 10781 Berlin (2009-2011)



Ausgangsbedingungen, Projektidee

   Festliche Stimmung: die "Falafels" bei den schoene(w)ort_tagen


Ausgangsbedingungen

Anfang 2000 wurde der Parkplatz Pallasstraße 7 in den PallasPark umgebaut und das Gebiet um das Pallasseum hatte eine wichtige Ressource zur Gestaltung einer aktiven Nachbarschaft erhalten. 2010 erfolgte unter Beteiligung der Anwohner/innen eine Verschönerung vor allem der Spielflächen des Parks, um ihn besser nutzbar zu machen.

Obwohl rund zwei Drittel der im Schöneberger Norden lebenden Menschen aus verschiedensten Ländern der Welt zugewandert sind, wird die Vielfalt ihrer Kultur in den Öffentlichen Räumen des Gebietes erst langsam sichtbar. Der Öffentliche Raum ist der Raum für Demokratie, Nachbarschaft und Integration.

Diesen Funktionen kann er aber nur gerecht werden, wenn die hier lebenden Menschen mit ihm identitätsstiftende Erinnerungen und Erfahrungen verbinden, die für positive Bindungen von grundlegender Bedeutung sind. Das Gelände des PallasParks soll sich mit der Entstehung des Interkulturellen „Gartens der Künste“ beispielhaft in einen solchen Raum verwandeln.


Diesen Funktionen kann er aber nur gerecht werden, wenn die hier lebenden Menschen mit ihm identitätsstiftende Erinnerungen und Erfahrungen verbinden, die für positive Bindungen von grundlegender Bedeutung sind. Das Gelände des PallasParks soll sich mit der Entstehung des Interkulturellen „Gartens der Künste“ beispielhaft in einen solchen Raum verwandeln.

    
Kultur zum Anfassen: arabische Kalligraphie und Henna-Tattoo               Ähnlich dem Vorbild im Prinzessinnen-Garten könnte der "mobile Garten" aussehen


Projektidee

Die Projektidee für die Weiterentwicklung des PallasParks ist, einer möglichen Negativentwicklung des Wohnquartiers durch die Aktivierung von Bewohnerengagement für die Pflege und den Erhalt ihres Wohnumfeldes entgegen zu wirken. Es soll eine Strategie gefunden werden, das Wohnumfeld gemeinsam mit den Bewohnern und lokalen Akteuren zu entwickeln, zu beleben, hinzusehen und einen bewußten Umgang mit der Natur und dem Lebensumfeld zu praktizieren.

Gleichzeitig ist bei der Gestaltung des Lebensumfeldes das Einkommen der AnwohnerInnen zu berücksichtigen. Dieses besteht mehrheitlich aus Transfer-Leistungen, die keine Ausgaben für Kultur und Freizeitgestaltung ermöglichen, soziale Kontakte einschränken und Nachbarschaftsgärten als eine neue Form der urbanen „Subsistenzwirtschaft“ und Überlebenskunst benötigen. Es soll dabei ein grüner, fruchtbarer und blühender Garten zum Verweilen entstehen.

Konzept für das Projekt Interkultureller «Garten der Künste»

  Das Publikum lässt sich vom Theater mitreißen

Netzwerk stadtraumkultur e.V. ist seit 2009 Träger des „Gartens der Künste“ und organisiert den interkulturellen Gemeinschaftsgarten mit einer Vielfalt Bewohner getragener individueller Gärten und gemeinschaftlich getragener Gartenbereiche sowie interkultureller Kunst und Aktion. Das Projekt setzt an der Lebenswelt der Bewohner an, arbeitet kooperativ und interdisziplinär und vernetzt die BewohnerInnen mit bestehenden Initiativen und Bildungsangeboten des Quartiers.

 

Problembezug und Entwicklungschance

Die verschiedenen integrierten Bausteine des Projektes sind so konzipiert, dass sie dazu beizutragen, das Problem der qualitativen Defizite des PallasParks langfristig zu lösen.

    

Internationale Poesie verbindet auch Generationen                              Ob schwarz oder blond: Schönheit kennt keine Grenzen!

Das Phänomen speist sich aus mehreren Schwierigkeiten: der fehlenden Achtsamkeit von BewohnerInnen, die ihren Müll einfach wegwerfen, der Haushaltslage des Bezirksamtes, deren Finanzen für die Pflege nicht mehr reichen und einer Vernachlässigung unseres unmittelbaren demokratischen und kulturellen Zusammenlebens, welches im öffentlichen Raum stattfindet.

Die unausweichliche Antwort auf diese Problemlage liegt in der Übernahme der Verantwortung für den wohnungsnahen Stadtraum durch die dort lebenden BewohnerInnen.
Eine solche Verantwortungsübernahme setzt aber eine zum bestehenden Konsumerhalten des Bürgers grundsätzlich veränderte innere Einstellung zu seinem Wohnumfeld voraus. Nur so lässt sich das Problem bei seiner Wurzel packen.

D.h. die BewohnerInnen sollen nicht nur konsumieren, was die öffentliche Hand ihnen bietet, sondern die Qualität, die Schönheit ihres Umfeldes selbst produzieren. Sie werden vom Raumkonsumenten zum Raumproduzenten.
Diese neue Rolle muss kulturell angenommen und aktiv gestaltet werden. Sie muss grundsätzlicher sein als die Forderung nach einer Erledigung von Arbeiten wie Pflanzen, Gießen und Entmüllen, auch wenn beides Teil dessen bleibt, was erreicht werden soll.

 

Die Gestaltung von Beziehungen ist ein kultureller Prozess. Insofern liegt unser Ansatz hier: Alle Generationen und Ethnien sind aufgefordert, ihr traditionell verwurzeltes Verhältnis zur Schönheit von Natur und Umwelt sowie ihre Kultur und Kunst einzubringen und damit den Interkulturellen „Garten der Künste“ gemeinsam auf den Weg zu bringen. Interkulturelles Gärtnern ist ein Umgang mit der Natur, der Heimat schafft. Gärtnern verbindet, schlägt eine Brücke zu den eigenen Wurzeln, hilft anzukommen und, wie die Erfahrung zeigt, Menschen auch bei der Überwindung traumatischer Erlebnisse.

Ziele des Projektes

Es sollen tragfähige Strukturen entstehen, die den AnwohnerInnenn und Akteuren das Handwerkszeug vermitteln, sich aktiv bei der Umweltgestaltung ihres Lebensumfeldes einzubringen, aber auch bei der partizipativen Einflussnahme auf die einschlägigen politischen und administrativen Gestaltungsgremien (Umweltamt, Grünflächenamt etc.) mitzuwirken.

Für die nachbarschaftliche Wohnumfeldaktivierung und -gestaltung sind sinnstiftende Zusammenhänge sowie Lernmöglichkeiten und -effekte überaus wichtig. Gärten anlegen als Gemeinschaftsaufgabe muss daher gemeinsam entdeckt und dauerhaft in Lernprozesse eingebettet werden.

Es werden konkrete praktische Teilhabe-Angebote im und für die Entwicklung des PallasParks bereit gestellt:

  • Qualitativ unterschiedliche Gartenbereiche zur gemeinschaftlichen oder individuellen Bewirtschaftung verschiedener Akteure
  • Lernangebote seitens der Stiftung Interkultur und des Deutsch-Türkischen Umweltzentrums in der Goebenstraße
  • Informationsangebot durch mehrsprachige Thementische in der nebenan liegenden Stadtteil-Bibliothek
  • Poesie, Märchen, Musik und jährlich wiederkehrende Kulturtage • Palästinensich-israelische Jugendtheatergruppe • die „lange Tafel“ für Begegnung, Plena und gemeinsame Feste • der Bau eines Brunnens zum Wässern
  • Schachspiel
  • Gestaltende Kunst-Beiträge

Anforderungen an den Fachbereich Natur des Bezirksamtes Tempelhof-Schöneberg zur Unterstützung der im Park Engagierten mussten erarbeitet werden. Denn die Akteure sind auf die Verfügbarkeit des gemeinschaftlichen Raumes und auch auf Ressourcen wie Wasser angewiesen.

Ein breit gefächertes integriertes Angebot für konkrete Gartenarbeit spricht die verschiedenen Nutzergruppen an.
Der Anbau von selbst gezogenem Obst und Gemüse auf individuellen Gartenanteilen sind formulierte Anliegen der BewohnerInnen, bei vielen Familien auch als Entlastung des kaum auskömmlichen Haushaltsbudgets.
Aktiv einbezogen werden SchülerInnen- und Nachbarschaftseinrichtungen und die Kochschule. Über einen anzulegenden Kräuterlehrgarten entsteht eine Kooperation, die nachbarschaftliches Leben vernetzt und Bildung in den Alltag integriert.

Die Werkstatt des Drogennotdienstes, seit Jahren Akteur der PallasPark-Pflege, möchte als Projekt mit seinen Garten-Fachleuten weiterhin beteiligt sein und den nördlichen Bereich der Teer-versiegelten Fläche in einen fruchtbaren Hochbeete- Garten verwandeln. Ideengeber und Vorbild ist der Hoch-Beete-„Prinzessinnengarten“ am Moritzplkatz in Kreuzberg.

Die Gärten machen BewohnerInnen zu kooperierenden AkteurInnen und bringen Nachhaltigkeit, Natur und Lebensfreude in den Alltag der Menschen.
Die Stiftung Interkultur, das Deutsch-Türkische Umweltzentrum und die Stadtteilbibliothek sollen enge Partner für die fortlaufend notwendigen Bildungs- und Informationsangebote werden.

Ereignisse rund um Märchen und Poesie fördern ein gelebtes gegenseitiges Kulturverständnis und -interesse sowie die Zweisprachigkeit. Eine Zweisprachigkeit ist ein wichtiges Potenzial für Identität, Selbstwert und gesellschaftliches Agieren, auch auf dem Arbeitsmarkt. Die Beteiligung von Menschen der vielfältigen im Pallas-Kiez versammelten Sprachen macht wiederum Deutsch als die gemeinsame Sprache zur Sprache der Verständigung. Das Erlernen wird praktisch gefördert.

Die palästinensisch-israelische Jugendtheatergruppe „Die Falafels“ will durch Begegnung Vorurteile und Schwarz-Weiß-Denken überwinden. Gewagt wird ein erster Schritt auf diesem schwierigen Terrain mit einer gemeinsamen Theaterproduktion.

Ziel ist ein Prozess des Lernens. Gemeinsam und kooperativ handeln, sich aufeinander einlassen und verlassen, soll im Ergebnis etwas Befriedigendes und künstlerisch Wertvolles hervorbringen. Genauso wichtig soll die Erfahrung sein, mit Theater eine Form gefunden zu haben, dieses künstlerisch auszudrücken, nach außen zu transportieren, andere zum Nachdenken zu bringen und gleichzeitig zu erfreuen.

Der Aufbau und regelmäßige Ereignisse an einer „Langen Tafel“ unterstützen Begegnung, Kooperation und gemeinschaftliche Aktionen.

Ziel ist, dass alle Teilprojekte des Interkulturellen „Gartens der Künste“ so angelegt sind, dass sie Strukturen und Verbindlichkeiten schaffen, die belastbar sind und für das Ganze eine nachhaltige „win-win-Situation“ schaffen.

Projektverlauf und Ergebnisse

BewohnerInnen eignen sich als AkteurInnen den Öffentlichen Raum an, der Prozess ist kooperativ, interkulturell und naturverträglich.
Die BewohnerInnenaktiviuerung war für alle Teilmaßnahmen sehr erfolgreich.


Methodisches Herangehen

Zum Aufbau einer nachbarschaftlich getragenen Wohnumfeldpflege und Umweltbildung erfordern die lebensweltlichen Bedingungen der BewohnerInnen Schritte sowohl auf der konkreten Handlungsebene als auch hinsichtlich der systemischen Strukturen.
Die Lösungsansätze waren daher ausgerichtet auf:

  • Information und Angebote einer direkten Partizipation am/im Garten
  • Vernetzung der systemischen mit der handlungspraktischen Ebene

Hier erfahren Sie mehr zum methodischen Herangehen.
 

Erwartete Ergebnisse
Die erwarteten Ergebnisse sind Nachhaltigkeit, Teilhabe, Umweltbewusstsein, Innovation, Integration, Gender Mainstreaming.

Ehrenamtliches Engagement

 

Bis auf die dramarturgische Überarbeitung des Stücks und die Regie durch George Isherwood im Monat vor der Premiere erfolgt die Arbeit mit der Jugendtheatergruppe „Die Falafels“ während des gesamten Jahres ehrenamtlich.

Über die regelmäßigen wöchentlichen Treffen zu Erarbeitung der Stücke hinaus umfasst die ehrenamtliche Arbeit gemeinsame Theaterbesuche, Veranstaltungsbesuche, Stadterkundungen, Unterstützung einer Jugendlichen bei der Überwindung der Folgen der Auflösung ihrer schlagenden Mädchengang, Unterstützung im schulischen Bereich z.T. Durch die Vermittlung von Paten, Deutschland-Erkundungen/eine Sommerfahrt mit drei Jugendlichen ans Meer, nach Lübeck und nach Hamburg (alles das erste mal in ihrem Leben), Aufführungen an ihren Schulen etc.

Die Teilnahme der GärtnerInnen an den Umwelt-Lern- und -informationsangeboten durch die Stiftung Interkultur , das Netzwerk Interkulturelle Gärten Berlin-Brandenburg oder das Deutsch-Türkische Umweltzentrum wird ehrenamtlich organisiert.

 Text: © Karin Rieckmann | Fotos: © Gerhard Haug


Gefördert durch die Stiftung Interkultur